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Vom hungrigen Rumpelstilz

Unsere Kinder machen es uns täglich vor: Wie einfach Leben eigentlich funktioniert. Wenn man es zulassen würde. Schmerz und  Freude,  Wut und  Verzeihen, Tränen und Lachen liegen so nah beieinander. Man möchte am liebsten mittun. Und kann es doch so oft nicht. Weil man eben keine sechs mehr ist.  Wann ist uns das abhanden gekommen? Diese Fähigkeit beispielsweise, bedingungslos zu vertrauen und zu lieben?

Ich staune immer wieder darüber. Über die Logik, Scharfsichtigkeit, den Humor, mit dem die schwere See durchschifft wird. Erst gestern brachte mir das Kind wieder so ein Bild aus dem Kindergarten mit - wissen Sie, bei dem man schaut, den Kopf schrägt legt und als Erwachsener sagt: Super gemacht! Ein tolles Bild. Wirklich.... wie du das hinbekommen hast.  Äähmm, was ist das denn?

 

Es war ein Rumpelstilzchen. Ok, mehr ein Stilz!  Riesengroß. Neben einem albern-kleinen Feuerchen.  Eckig und  ja, es hatte durchaus  Ähnlichkeit mit seinem Seifenblasen-Roboter. Und es lachte mit breitem Mund. Weil es sich halt so freute.... weil es ja schließlich bald das Kind der Königin fressen könne, wurde mir mit großem Ernst in der Stimme versichert. Charlottes Mutterherz hüpfte vor Glück ... 

 

Wissen Sie - der Sechsjährige daheim ist ein Nachzügler, wie er im Buche steht - umsorgt, verstanden, geliebt,  ein bisschen verwöhnt, und dennoch mit einer  gewissen Nonchalance erzogen, die es ihm später leicht machen wird. Für alle Nichtfranzosen unter uns: Dies ist ein lässiges, ungezwungenes Verhalten, das angenehm wirkt.  So sagt es der deutsche Duden. Und ich bestätige dies durchaus.

Mein Mann und ich sind Zwei von diesen alten Eltern, über die immer mal wieder gesprochen, fabuliert und geschrieben wird. Wenn man mit  40 sein zweites Kind bekommt und der werdende Papa schon der 50 entgegen geht, dann schaut die Gesellschaft schon mal komisch daher.  Und wackelt mit dem Kopf: Na? Ob das arme Kind noch viel Freude mit seinen greisen Erzeugern haben wird? Dass die es überhaupt noch tun, tsss :)

 

Mal so gesagt: Daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Dass dieses Kind so nebenbei  zustande kam, als die drei Großen schon lange aus dem Haus waren und wir uns extra einen Hund angeschafft hatten, sehe ich heute als absolutes Wunder an. Ein Wunder, das ich angenommen habe. Nach anfänglichen Panik-Attacken. es brachte viel Licht in unser Leben - früh. Halb 2, halb 4, halb 6.

 

Und dieses Kind wird nun eben mit der besagten Nonchalance erzogen.  Mit dieser Leichtigkeit, die uns bei den großen Geschwistern halt oft noch nicht so ganz eigen war. Und so lachen wir heute lieber manches Problem einfach gemeinsam weg. Auch das  Menschenfresser-Thema. Meine Güte, wenn's dem Rumpel-Pumpel eben geschmeckt hätte. Auch die Knusperhexe mochte einen schönen fetten Hänsel im Brotteig ganz gern. Die Gebrüder Grimm hätten ein ganzes schwarzes Kochbuch heraus geben können. Das Kind hat es jedenfalls verstanden. Kann abends gut einschlafen. Und isst trotzdem lieber weiter Pelmeni. 

 

Es lebe der schwarze Humor! Es lebe die Leichtigkeit der Gedanken!