Erinnerungen

Ich bin viel unterwegs. Da das Singen an sich schön, aber auch eine brotlose Kunst ist, habe ich mir vor Jahren einen Zweitjob zugelegt: Als Autorin. Ich weiß - das klingt schon im Ansatz paranoid. Denn auch dieser Job ist im Grunde genommen eine ziemlich brotlose Kunst. Aber er macht Spaß. Vor allem jene Termine, die mir das Schicksal immer wieder mal in die leeren Taschen spielt.

Heute ware ich auf einem solchen. Und wurde förmlich zurück geschleudert in eine Vergangenheit, die noch nicht so lange zurück liegt: Meine Heimat DDR. Nun bin ich diesem verloren gegangenem Staat als Möchtegern-Französin sehr verbunden. Vor allem, als man vor Jahren die friedliche Revolution anzettelte. Gut - wir Franzosen haben es mehr mit aussagekräftigen Revolutionen....  Guillotine, Kopf ab, kurzer Prozess und so weiter...Dennoch, sie nötigen mir heute immer noch Respekt ab, die DDR-ler.

 

Einer von ihnen, Monsieur Uwe Jähnig aus Schwepnitz, hat eine besondere Affinität zu dieser Vergangenheit. Er ist ein Verrückter, einer der die Erinnerungen gesammelt hat, wie andere Pilze im September. Doch er ist kein ewig Gestriger! In einem kleinen Museum stellt er sie seit Jahren aus. Ich war zum ersten Mal zu Gast und muss sagen: Hut ab, Frau Mütze! Mit offenem Mund und dem nötigen Schuss Erinnerungsdusel streifte ich durch die 32 Räume. Und habe mich köstlich amüsiert, gefachsimpelt, gestaunt und mich am Ende  vor Wehmut gewunden. So viel Erinnerung auf einen Haufen hat mich gerührt. Da stand meine Kindheit, meine Jugend. Und aus der Retrospektive der Gedanken heraus war das einfach nur ... schön. Allerdings glaubt man gar nicht, wie orange dieses Land war. Das muss man einfach selber gesehen haben!

 

Als ich dann noch an einem riesigen Regal verflossener Spirituosen vorbei kam, geriet ich ins Straucheln. Fast zärtlich strichen meine Finger über die hässlichen Etiketten der Schnaps- und Weinflaschen. Es war doch erst gestern, als wir trunken vom Mocca-Edel vom Tanz heimwärts wankten, uns hinterm Schuppen gelassen übergaben, und später in der Studentenbude mit schnödem Gotano Vermouth weitermachten ... Und das alles noch kurz vor Mitternacht!

 

Mein Tipp: Fahrt ganz dringend nach Schwepnitz, schaut Euch dieses spezielle Museum an. Neuerdings kann man hier auch vieles kaufen. Jeden 1. Sonntag im Monat ist von Mai bis Oktober ab 10 Uhr geöffnet.

 

https://www.charlottedecognac.de/2018/05/02/erinnerungen/

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